Anerkennung der Kurdischen Identität

Gleiche Pflichten. Gleiche Rechte.

Tuesday, Jan 16th

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Muttersprache: Kurdisch

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In Deutschland leben inzwischen rund 800.000 kurdisch-stämmige Menschen. Damit stellen sie eine der größten Einwanderungsgruppen innerhalb der deutschen Gesellschaft dar. In Berlin sind es etwa 70.000. Sie sind als ArbeitsmigrantInnen gekommen, sind deren Nachkommen, kamen als Studenten oder auch als Flüchtlinge. Dabei stammen sie nicht nur aus der Türkei, sondern vor allem auch aus dem Irak, dem Iran und Syrien.
Alle haben längst ihren Lebensmittelpunkt in Deutschland und rund die Hälfte dieser Menschen besitzt inzwischen die deutsche Staatsbürgerschaft.

Aber ob mit oder ohne deutschen Pass wünschen sie sich alle, dass sich ihre Lebensqualität und ihr Lebensumfeld verbessern und die vielen sich verstärkenden Probleme abgebaut werden. Zu nennen sind hier, wie bei allen Migrantengruppen und selbst seitens der deutschen Bevölkerungsmehrheit, die Bereiche Bildungswesen und Arbeitsmarkt. Aber natürlich gibt es auch kurdenspezifische Probleme.

Wie ist die aktuelle Situation in den Herkunftsländern?
Im Irak haben die Kurden zur Zeit eine relativ unabhängige Provinz im Norden, in der sie ihre Vorstellungen einer Gesellschaft umsetzen können. Dies wird allerdings durch zwei Faktoren beeinträchtigt: Zum Einen ereignen sich öfter mal Grenzübertritte der türkischen Armee auf der Suche nach Kurden und zum Zweiten schlägt sich die mangelnde Zentralgewalt im Irak und dessen Bürgerkrieg auch immer mal wieder im kurdischen Gebiet nieder.

In Syrien und im Iran opponiert man mehr oder weniger stark gegen das herrschende Regime und konnte sich einige kleine Freiräume erkämpfen, ohne dass es zu bewaffneten Auseinandersetzungen kommt. In der Türkei hat sich die Situation nach der Festnahme Öcalans sowie aufgrund des türkischen Bestrebens, näher an die EU zu rücken, für die Kurden verbessert. Die EU drängt die Türkei (die auch als NATO-Mitglied eine wichtige Rolle für Westeuropa im Nahen und Mittleren Osten spielt [Iran, Afghanistan]) immer mehr, die Kurden als nationale Minderheit anzuerkennen und einen friedlichen Weg zur Lösung des Problems zu beschreiten. Es wird bei diesem Entwicklungsprozess darauf ankommen, den Einfluss des Militärs weiter zurück zu schrauben. Dies wird inzwischen nach internen Diskussionen auch von den Kurden unterstützt, wobei hier der positive Einfluss der vielen KurdInnen zu erwähnen ist, die inzwischen in Westeuropa leben.

Die vordringlichsten Anliegen  in diesen Ländern sind für die KurdInnen zunächst einmal die Alphabetisierung (und zwar in der offiziellen Sprach sowie in Kurdisch) und die freie Veröffentlichung von Presse, Literatur und Musik. Neben dem Erhalt und der Weitergabe der kulturellen Errungenschaften und Traditionen entwickelt und differenziert sich in den verschiedenen Herkunftsländern dabei auch die kurdische Sprache weiter. So können Herkunft, Geschichte und Zukunft wieder zu ihrer natürlichen Einheit gelangen.

Analphabetismus als Mittel und Zweck der Repression
So wie innerhalb Deutschlands in Stadtteilen mit einkommensschwacher Bevölkerung die strukturelle Ausstattung von Bildungseinrichtungen unterdurchschnittlich ist, so wurde und wird auch vor allem in der Türkei die Bildung und damit die Integration der Kurden in die türkische Gesellschaft absichtlich vernachlässigt. Statt der Integration wurde dort durch den zentralistischen Nationalismus, der sich auch gegen die Emanzipationsversuche der türkischen Arbeiterschaft richtete, eine Assimilation verfolgt. Trotzdem bzw. gerade deswegen wurde selbst die Alphabetisierung in Türkisch nicht voran getrieben und dort, wo in den Schulen türkisch gelehrt wurde, wurde diese Sprache zum verhassten Symbol der Unterdrückung und der Lernerfolg blieb gering. Der Gebrauch sämtlicher Facetten der kurdischen Kultur wurde jahrzehntelang unter Strafe gestellt.

Zur Entwicklung der aktuellen Lage hier in Deutschland
Der Stellenwert der kurdischen Sprache war in Europa und speziell in Deutschland schon mal höher. Im 19. Jahrhundert setzten sich einige Intellektuelle stark mit dem Gebiet Kurdistans und mit seiner Sprache auseinander. Es erscheint paradox, dass dieser Wissens- und Forschungsdrang gerade zu Zeiten der verstärkten Immigration von KurdInnen nach Deutschland zum Erliegen kam. Er lässt sich aber erklären.

Kurdistan ist im Gegensatz zu damals kein selbständiger Staat mehr, sondern aufgeteilt auf die Türkei, den Iran, den Irak, Syrien und einige Provinzen Russlands. Fast alle Staaten haben kein Interesse daran (gehabt), dass das Selbstbewusstsein der KurdInnen gerade im Exil gestärkt werden würde. Sie haben nicht nur über Abkommen und ihre Konsulate versucht ihren Einfluss geltend zu machen, sie wurden auch von den deutschen Behörden bereitwillig dabei unterstützt, die sich an den real existierenden Staaten orientierten und die Unterdrückung der KurdInnen lange als innerstaatliches Problem definiert haben.

Nur durch die emsige Arbeit vieler KurdInnen in ihren Kulturvereinen ist es gelungen, die Sprache, die Kultur und die Traditionen im Allgemeinen zu erhalten und weiter zu geben. Insbesondere Musik, Literatur, feste und Feierlichkeiten waren dabei die bevorzugten Mittel. Dies gelang trotz der bekannten Behinderungen, beispielsweise durch die türkischen Konsulate oder die nationalistisch orientierten Gruppierungen (Graue Wölfe).

Auch in Zukunft wird die Öffentlichkeit in Deutschland und in ganz Europa wachsam sein müssen, um die sich andeutenden Verbesserungen hinsichtlich der kurdischen Sprache und Kultur in der Türkei nachhaltig zu sichern. Das kurdische PEN-Zentrum hofft, auch weiterhin als wichtiger Mittler und als Diskussionsforum innerhalb der KurdInnen in den Herkunftsländern und zwischen ihnen sowie den emigrierten KurdInnen fungieren zu können.

Ab Mitte der 70er Jahre wurde der muttersprachliche Unterricht in der alten BRD auf der Grundlage der EG-Richtlinie 77/486 vom 25.07.1977 sowie der Beschlüsse der Kultusministerkonferenzen (KMK) vom 08.04.1976, 26.10.1979 und 08.10.1981 erteilt. Damit war gemeint, dass den Kindern die Sprache und Kultur ihres Herkunftsstaates vermittelt werden sollten – zusätzlich zur deutschen Sprache. Dadurch sollten die Kinder befähigt werden, sich hier zurecht zu finden und möglicherweise auch wieder in ihre Herkunftsstaaten zurück zu kehren.
Für die Kinder bedeutete das jedoch, dass sie zwei Fremdsprachen zu lernen hatten, wobei sie sich mit der Staatssprache ihres Herkunftslandes gar nicht identifizierten. Selbst die Lerninhalte wurden teilweise von den türkischen Konsulaten vorgegeben.

Die Folge war, dass die kurdischen Kinder verstärkt dreisprachige Analphabeten wurden, weil sie ihre Muttersprache nicht lernen durften, Probleme hatten sich selbst intern zu verständigen, Türkisch nicht lernen wollten und auch Deutsch unter diesen Bedingungen schwer zu vermitteln war. Als sich dann abzeichnete, dass die meisten nicht in ihre Herkunftsländer zurück kehren würden; dass also die Integration in die hiesige Gesellschaft nötiger denn je wurde und als die kurdische Frage endlich auch die deutsche/europäische Öffentlichkeit erreichte, kamen die ersten Überlegungen zum muttersprachlichen Unterricht auf.

Schon 1980 wurde erstmals der muttersprachliche Kurdischunterricht eingefordert. 1985 wurde von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Immigrantenverbände (BAGIV) das Memorandum zum muttersprachlichen Unterricht in der BRD veröffentlicht. 1986 beschloss die Bundes-GEW (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft) ihre Unterstützung der Forderung. 1990 schloss sich der DGB (Deutscher Gewerkschaftsbund) an. Am 07.11.1991 beschloss der Bundestag, dass „ in der Bundesrepublik eine große Gruppe von Kurden lebt. Auch ihnen muss die Möglichkeit zur Bewahrung und Entfaltung ihrer kulturellen Identität gegeben werden“ (BT-Drucksache: 12/1362).

1993 dann wurde endlich in einem ersten Bundesland, in Bremen, ein muttersprachlicher Unterricht in Kurdisch eingeführt. Inzwischen existiert er auch in Hamburg, Niedersachen, NRW und Hessen. Rund 1400 SchülerInnen kommen in den Genuss dieses Unterrichts. Dies ist angesichts der großen Anzahl kurdisch-stämmiger Menschen in Deutschland nur ein Tropfen auf den heißen Stein und muss ausgebaut werden.

Das Ziel diese Unterrichts ist es, die Schüler zur Kommunikation innerhalb der eigenen ethnischen Gruppe zu befähigen, ihnen den Zugang zur eigenen Kultur(geschichte) und zur weiteren Entwicklung des Herkunftslandes zu ermöglichen und ihnen damit die Vergleichsmöglichkeiten zur deutschen Gesellschaft und Kultur an die Hand zu geben.

Heute ist das Wunschbild einer kulturellen Einheit mehr denn je in allen Gesellschaften eine Fiktion. Die Menschen haben unterschiedliche Erfahrungen gemacht, unterschiedliche Perspektiven und die Bereiche von Kultur und Alltagskultur überschneiden sich. Die Grenzen verwischen immer mehr; zwischen den Nationalitäten, den Geschlechtern und den Generationen. Entscheidend für die Identität eines Menschen ist seine soziale Stellung innerhalb der gesamtgesellschaftlichen Produktion und Konsumtion.

Deshalb müssen wir uns um die konkreten Lebensbedingungen kümmern und versuchen, sie zu verbessern, wo sie es bedürfen. Und hier geht es, so sind sich seit Jahren endlich alle einig, vor allem um den Bereich Bildung und Erziehung.
Aufgrund einer Statistik von 1980 (siehe Anhang 1) waren in der Türkei durchschnittlich rund 66% Analphabeten. Auf dem Land selbstverständlich weit mehr als in den Städten. Vor diesem Hintergrund kann man sich natürlich ausmalen, wie der Bildungsstand der vielen ArbeitsmigrantInnen war und ist, die aus Kurdistan nach Deutschland kamen/kommen. Diese Ausgangslage bedeutete eine schlechte Basis für die hiesige Integration, für die Qualifizierungsmöglichkeiten der ArbeitsmigrantInnen nach dem Niedergang der alten vorwiegend industriellen Beschäftigungsbranchen und auch für das Bildungsumfeld der Kinder. Hinzu kam die schwierige Umstellung von bäuerlich-ländlichen Strukturen auf eine industriell-städtische Lebensweise.

Die mögliche Rolle des muttersprachlichen Unterrichts
Und hier kommt jetzt die mögliche Rolle der Muttersprache bzw. des mutersprachlichen Unterrichts zum Tragen. Heutzutage, wo die Öffentlichkeit sich der wichtigen Rolle von Bildung und Erziehung im Klaren ist, wir an der Schwelle zur Kitapflicht stehen, die Relevanz  der Eltern für den Bildungschancen der Kinder auch in der Minderheitsgesellschaft akzeptiert ist und in einer Situation, in der nach dem Vorteil und Sinn von Globalisierung fast gar nicht mehr gefragt wird, in einer solchen Situation ist die Stunde für interkulturelles Lernen und für Multikulturalität gekommen. Und dazu zählt auch der muttersprachliche Unterricht.

Denn es reicht nicht aus, dass die KurdInnen in Deutschland im Gegensatz zur (früheren) Türkei kurdisch wenigstens sprechen dürfen (was die türkischen Auslandsvertretungen sogar noch zu unterbinden versuchten). Sie müssen ihre Muttersprache auch lernen können und als Bildungswerkzeug nutzen können. Das wäre wahre Demokratie und ein sichtbares Zeichen des Integrationswillens der Mehrheitsgesellschaft (an alle MigrantInnen-Communities) und eine gleichzeitige Absage an Ignoranz und Assimilationstendenzen.

Vor allem ist es aber auch pädagogisch und linguistisch begründet, dass das Erlernen des Deutschen (und auch von anderen Sprachen) durch das Können der Muttersprache gefördert und die Persönlichkeitsentfaltung ermöglicht wird.
Zusammengefasst bedeutet dies, dass auf diese Art und Weise ein Potenzial sowohl in produktiv-kreativer wie auch in demokratischer Hinsicht mit Vorteilen für die Gesamtgesellschaft geweckt werden kann.
Durch diese Art der Akzeptanz und Integration würde sich auch die Herkunftslandorientierung der MigrantInnen abschwächen. Die kurdischen Selbsthilfeorganisationen, die sich von Anfang an auf die aktuellen Probleme der Menschen vor Ort konzentriert haben, würden insofern durch die Bildungspolitik in ihrer Haltung gestärkt werden. Und eine weniger starke Herkunftslandorientierung sowohl auf türkischer wie auf kurdischer Seite würde wahrscheinlich auch die Bereitschaft erhöhen, dabei zu helfen, den Konflikt zwischen beiden Volksgruppen friedlich beizulegen. Wie die Verhandlungen zeigen hat es in der Tat während der Vergangenheit schon positive Entwicklungen in angesprochene Richtung gegeben.

Aus Forschung und Wissenschaft ist mindestens ein Dutzend guter Argumente bekannt, die für eine Erziehung und Entwicklung in mehreren Sprachen angeführt werden:

  1. innerfamiliär: Das heranwachsende Kind kann sich mit allen Familienmitgliedern in deren Muttersprache unterhalten.
  2. anthropologisch: Das menschliche Individuum ist mit der Fähigkeit ausgestattet, zahlreiche Sprachen im Kindes- und Jugendalter zu erwerben; diese Fähigkeit geht lebenslang nicht verloren.
  3. Spracherwerb: je früher, je besser, und je mehr, desto besser.
  4. neurophysiologisch: Bei Mehrsprachigkeit werden mehr Schaltkreise im Zentralnervensystem eingerichtet als bei Einsprachigkeit; sie sind nützlich für die Entwicklung der Intelligenz.
  5. Fremdsprachenerwerb: Frühe Mehrsprachigkeit legt die besten Grundlagen für den späteren Fremdsprachenerwerb in Schule und Beruf, insbesondere für mündliche Kommunikation und metasprachliche Fähigkeiten.
  6. psychologisch: Mehrsprachigkeit verbessert das Gedächtnis, insbesondere das Arbeitsgedächtnis, sowie Sprachwahrnehmung und (Sprach-)Verstehen.
  7. rhetorisch-stilistisch: Mehrsprachigkeit erhöht die sprachliche Ausdrucksfähigkeit.
  8. sozial: Mehrsprachigkeit eröffnet die Kommunikationsbereitschaft zwischen den Gruppen einer Gesellschaft und trägt so zu ihrem Zusammenhalt bei.
  9. sozialpsychologisch: Mehrsprachigkeit baut Vorurteile gegen Anderssprachige ab.
  10. internationale Beziehungen: Mehrsprachigkeit fördert den beruflichen Erfolg in Wirtschaft, Diplomatie, Wissenschaft usw.
  11. areal-geographisch: Mehrsprachigkeit fördert regionale und grenzüberschreitende Verständigung ebenso wie einen kommunikativen Tourismus.
  12. nicht zuletzt das statistische Argument: Nach dem Statistischen Bundesamt hatten in Deutschland 2010 mehr als ein Drittel der Kinder unter 10 Jahren einen migrationsgeschichtlichen Hintergrund mit nicht-deutscher Muttersprache; Tendenz: steigend.

Exkurs zur Kurdischen Sprache
Kurdisch ist eine iranische Sprache, die der indoeuropäischen Sprachfamilie angehört. Sie hat zwei Hauptdialekte: Nord- und Mittelkurmanci und zwei Nebendialekte: Südkurmanci und die Gorani-Zazayi-Gruppe. Diese wiederum beherbergen viele Mundarten. In fast allen teilen Kurdistans ist das Kurdische höchstens als Alltagssprache zugelassen, als Amtssprache sind die KurdInnen gezwungen sich der offiziellen Sprachen wie Arabisch, Persisch und Türkisch zu bedienen. Die Aufteilung Kurdistans nach dem ersten Weltkrieg verhinderte mit den Unabhängigkeitsbestrebungen auch die Entwicklung einer kurdischen Hochsprache. Einzig in der ehemaligen Sowjetunion genoss die kurdische Sprache und Kultur Anerkennung und Förderung. Hier erschienen zahlreiche Publikationen in kurdischer Sprache, die sich des kyrillischen Alphabets bedienten. Nach den Zusammenbruch der Sowjetunion tendierten die kurdischen Gelehrten zum Gebrauch des lateinischen Alphabets. Während das kyrillische wie auch das arabisch-persische Alphabet den KurdInnen aufgezwungen wurde, hatte der kurdische Gelehrte Mir Celadet Bedir-Xan mit der Zeitschrift „Hawar“ 1932 das lateinische Alphabet eingeführt. Dieses setzt sich zunehmend in der kurdischen Emigration durch.

Forderungen an die Deutsche Bildungspolitik
Die Absage an den muttersprachlichen Unterricht in Kurdisch kann inzwischen nicht mehr mit den auch schon früher nicht zutreffenden Begründungen abgelehnt werden, dass Deutschland dadurch diplomatische Probleme mit der Türkei fürchten müsse. Ebenso wenig trifft es zu, dass sich die Familien, die sich für die Nutzung dieses Angebotes entscheiden würden, Gefährdungen und Anfeindungen aussetzen würden, trifft nicht zu – abgesehen davon, dass die Familien ein Recht darauf haben, diese Gefahr selber einschätzen zu dürfen.

Dem Argument, dass es gar keinen Bedarf geben würde, ist zu entgegnen, dass es anfangs immer erst mal eine zögerliche Inanspruchnahme neuer Angebote gibt. Das dürfte sich jedoch schnell normalisieren. Damit der Unterricht curricular, personell und hinsichtlich der Lern- und Lehrmittel qualitativ gut erbracht werden kann, dafür müsste allerdings Engagement seitens der deutschen Bildungspolitik eingebracht werden. In Zusammenarbeit mit Unis, Weiterbildungsträgern und kurdischen Intellektuellen, Selbsthilfeorganisationen und Kulturschaffenden könnte diese Lücke schnell geschlossen werden.

Was schlagen wir also vor?

  1. Die Einführung des verbindlichen und beitragsfreien Kindertagesstättenbesuchs, der als Bildungsinstitution durch Steuereinnahmen finanziert wird.
  2. Die Neuentwicklung eines Leitbildes von Kitas und Schulen vor dem Hintergrund der Multikulturalität und Mehrsprachigkeit.
  3. Die Muttersprache (in unserem Falle Kurdisch) soll anstelle der zweiten oder dritten Fremdsprache als versetzungsrelevantes Fach ins Curriculum aufgenommen werden.
  4. Den flächendeckenden Ausbau der Ganztagsschulen mit Personal, Sachmitteln und Räumen.
  5. Die Einführung des gemeinsamen Unterrichts aller SchülerInnen bis zur 10. Klasse.
  6. Die kontinuierliche und verbindliche Durchführung des Unterrichts „Deutsch als Zweitsprache“ (DaZ).
  7. Die stärkere Berücksichtigung der migrationsspezifischen Themen innerhalb des Lehramtsstudiums sowie in der ErzieherInnenausbildung.

Riza Baran, 01.03.2011

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