Anerkennung der Kurdischen Identität

Gleiche Pflichten. Gleiche Rechte.

Thursday, Jan 18th

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Haydar Işık: Kurdische Identität

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Anerkennung der   Kurdischen Identität

Als nach dem I. Weltkrieg die Imperialistischen Länder Großbritannien, Frankreich und USA Kurdistan auf der Landkarte mit dem Lineal teilten, fragte niemand das kurdische Volk, nach seinen Einverständnis. Seitdem konnten die mit Stacheldraht von einander abgegrenzten Kurden keine Einheit zeigen, da sie von den zentralistischen Staaten Türkei, Iran, Irak und Syrien stets unterdrückt wurden. Obwohl die Kurden das größte Volk der Welt (etwa 40 Millionen Menschen) ohne Staat sind, wurde jede Forderung zur Verbesserung der kulturellen und sozialen Situation der Kurden mit militärischem Einsatz beantwortet.

Die Zeitung „Vorwärts“ schrieb im August 1930 den Artikel: Das Ende der Kurden:
„Ihre privilegierte Stellung ist nach dem Kriege gänzlich ins Wanken geraten, weil ihr Territorium zunächst unter drei Reiche, Türkei, Persien und Irak aufgeteilt wurde. Damit büßten die Kurden nicht nur ihren politischen Zusammenhang ein, sondern bekamen auch bis in ihre Bergschlösser hinein die Wirkungen zu spüren, die sich aus der völligen Veränderung der gesamten  Verhältnisse des Orients ergeben. (...)“
„Vorwärts“ schrieb weiter: „Mit der Niederwerfung des jüngsten Aufstandes im persischen und türkischen Kurdengebiet wird das Schicksal der Kurden als Volk in der Geschichte des modernen Orients für immer besiegelt sein. (...)“

Wenn man heute in den deutschen Medien die Lage der Kurden betrachtet, sieht man keinen anderen Blick als vor 80 Jahren. Die deutschen Medien lassen sich meist gerne von dem Unterdrücker Türkei beeinflussen, da die staatlichen Interessen wichtiger sind als Menschenrechte. Schliesslich kurbelt der Krieg gegen die Kurden die Militärindustrie an und schafft Arbeitsplätze.

Die angeblich zum Schutz der  bürgerlichen Rechte gegründete NATO wird von der Türkei als  Kriegsinstrument  gegen Kurden benutzt. Die NATO hat bis jetzt weder etwas für Demokratie noch für Menschenrechte in den Kurdengebieten unternommen. Zur Zeit wird in den Medien vom arabischen Frühling gesprochen. Dieser sog. Frühling bestimmt die USA, die Türkei und Saudiarabien. Die NATO führt einen Krieg in Libyen aber gleichzeitig unterstützt sie die Türkei gegen Kurden. Die NATO hat kein Wort verloren als die Saudis Bahreyn überrollten. Die Türkei bombardiert tagtäglich Kurdistan, und gibt den Kurden keine Bürgerrechte, obwohl sie ein Viertel der Bevölkerung ausmachen. (ca. 20 Millionen) Die Kurden werden von ihrer Identität, Sprache und Kultur, also ihren kollektiven Rechten abgeschnitten. Ein Land wie die Türkei, das in die EU kommen möchte, und sein Ministerpräsident Erdogan, der hier in Köln sagte: „Assimilation ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit“, assimiliert jeden Tag die kurdische Identität. Die kurdischen Schulkinder müssen jeden Tag einen Eid schwören, dass sie glücklich sind Türken sein zu dürfen. Die Türkei ist ein sehr zentralistisch orientierter Nationalstaat, dessen Herrscher im Geiste von Mussolini und Hitler regieren. Der Ministerpräsident Erdogan sagt bei jedem Gespräch wenn es um die Kurden geht; „Ein Land, ein Volk, eine Sprache und die sunnitische Konfession...“ Die Türkei ist ein Handlanger des despotischen Regimes von Saudi Arabien, weil Saudis Milliarden zugeben, um die sunnitische Politik zu stärken. Deshalb regiert Erdogan wie einen Kalif. Wenn es aber um die Kurdenvernichtung geht, alliiert er mit dem alevitischen Asad und schiitischen Iran. Zur Zeit haben die Iraner den Luftraum für türkische Flugzeuge geöffnet, genau wie im Jahre 1930 im Ararat-Aufstand.

Was würde die Türkei verlieren, wenn sie die Identität ihrer Mitbürger -der Kurden, anerkennen würde? Leider führt die Türkei blindwütig einen Krieg gegen das kurdische Volke. Diese Politik wird seit Gründung der Türkei von allen Regierungen und Staatschefs -von Atatürk bis Erdogan durchgeführt. Das heißt alle versuchten die Kurden mundtot zu machen, aber sie werden es niemals schaffen, die kurdische Identität zu begraben. Heute ist die kurdische Gesellschaft sehr gut politisiert und organisiert, so dass man sie nicht mit den 30“er Jahren vergleichen kann. Deshalb denke ich, dass die Türkei diesen sinnlosen Krieg verlieren wird. Mag sein, dass sie das Leben vieler zehntausender Kurden in Kauf nimmt, aber jede Tötung und Repressalie bringt den kurdischen Widerstand noch höher. Deshalb denke ich, dass die Türkei auf dem falschen Gleis ist. Wenn sie ihren Blick in Richtung der EU Länder wenden würde, würde sie sofort sehen, dass die europäischen Länder ihre Minderheiten Probleme gelöst haben. Nur die Türkei tanzt noch nach der Pfeife von Erdogan, der sich gerne als Kemal Atatürk II sehen möchte. Hitler sagte bei einem Empfang einer türkischen Delegation: Kemal Atatürk hat zwei Schüler, der erste ist Mussolini, der zweite bin ich. Die Türkische Politik versucht alles, was Kurden betrifft unter eine Terrordecke zu bringen. Deshalb wird jeder Kurde, der seine Identität, Sprache und Kultur anfordert als Separatist und Terrorist angesehen und eingekerkert oder getötet. Wir, die Kurden beklagen von 1984 bis jetzt mehr als 50.000 Menschenleben, die von türkischen Todesschwadronen bestialisch ermordet worden sind. Die türkischen Soldaten schänden die Leichen, sie nehmen ihre Ohren, Nasen oder ausgestochenen Augen als Präsent. Das ist die Tötungskultur der türkischen Kommandos.

Durch den Befehl des heutigen Generalstabschef wurde im Jahr 1999 Giftgas eingesetzt - ein Einsatz, bei dem dutzende kurdische Guerilleros ermordet wurden. Der frühere Außenminister Ihsan Sabri Caglayangil, der während des Dersim Massakers im Jahr 1937 in Malatya Polizeichef war, und den kurdischen Widerstandschef Seyit Riza aufhängte, erzählte bei einem Interview:
„Das Militär hatte in den Eingängen der Berghöhlen, in denen die Dersim Kurden Schutz suchten, Giftgas eingesetzt und sie wurden wie Ratten vergiftet. Das Militär hat Menschen von sieben bis siebzig Jahren massakriert.“

Diese vernichtende Politik der Türkei hat die Kurden in alle Windrichtungen verstreut, wie es einst Juden erlebt hatten. Seit 50 Jahren leben Kurden in Deutschland. Aber sie werden nicht als Kurden sondern nach ihrem jeweiligen Passes registriert. Zur Zeit leben und arbeiten nahezu eine Million Kurden in Deutschland. Aber wenn wir fordern, dass wir nicht Türken, Perser oder Araber sind, sondern Kurden, dann spielen die offiziellen Stellen und die offizielle Politik von Deutschland die drei Affen. Aber wenn es um eine negative Sache geht, wenn die Kurden etwas gesetzwidriges machen, erkennt man uns gerne als „die Kurden“. Dann schreibt die BILD ZEITUNG: „Der Kurde Dr. Talabani tötete seine Frau.“ Da die Medien dieses Landes ihre Informationen meist von dem strategischen NATO-Partner Türkei holen, und oft manipuliert sind, wird das Image der Kurden hier negativ gezeigt.

Aber ich denke in Deutschland, in dem Menschenwürde in der Verfassung verankert ist, in so einem demokratischen Land wird endlich unsere Identität als Kurden anerkannt, nicht als Türken, Perser, Araber sondern als Kurden.

Die deutsche Verfassung sieht die Würde ihrer Mitmenschen als unantastbar. Hier muss man sich fragen, warum erkennt Deutschland die Kurden nicht als Volksgruppe? Schließlich sehen wir unsere Identität als unsere Würde.

Ich bin Schriftsteller, eine zivile Person, demokratisch orientiert und lebe wie ein Europäer und bin seit 27 Jahren deutscher Staatsbürger. Aber leider musste ich folgendes erleben. Als ich mal zu einem Polizisten sagte, mein Herr ich bin deutscher Staatsbürger, sie können nicht so mit mir umgehen, bekam ich eine Antwort, die schlimmer war als eine Ohrfeige: „Aber Herr Isik sie sind ein Kurde.“

Der Guerillakampf war und ist eine wichtige Realität in der kurdischen Gesellschaft. Werke über den Krieg schildern meist seine Grausamkeit. Ich habe versucht, die Widerwertigkeit dieses ganzen ungerechten Krieges darzustellen, der den Kurden aufgezwungen wurde. Als kurdischer Schriftsteller muss ich auf das Schicksal aufmerksam machen, dem Kurden offiziell in der Türkei ausgesetzt sind. Solange kurdische Identität nicht anerkannt wird, kurdische Organisationen kriminalisiert sind, solange müssen diejenigen, die für ihr Volk sprechen oder Schreiben, die Lage dieses Volkes erörtern.

Wer als Kurde in der Türkei lebt und aus Liebe zu seinem Volk redet oder schreibt, wenn er das Recht auf die eigene Identität, Sprache und Kultur einfordert, dann gilt er als schuldig. Man wird als Separatist abgestempelt. Wenn ein in Bayern lebender deutscher Staatsbürger kurdischer Herkunft Bücher über sein Volk schreibt, dann wird er wegen Unterstützung des Terrorismus bestraft. Seit 50 Jahren arbeiten und leben die Kurden in Deutschland. Schätzungsweise gibt es eine halbe Million Kurdinnen und Kurden, die deutsche Staatsbürger sind. Um diesen Kurden das Gefühl zu geben, wirklich in Deutschland zu leben und am sozialen, kulturellen sowie politischen Leben zu partizipieren, daran teilhaben zu können, wünscht sich jeder demokratisch gesinnte Mensch die Anerkennung der kurdischen Identität. Ich denke die Kurden werden dieses Land umso mehr lieben und achten, wenn ihnen die Anerkennung ihrer Identität gewährt wird.

Aus diesen Gründen appelliere ich an alle demokratischen Kräfte unserer zweiten Heimat Deutschland, bei der Anerkennung der kurdischen Identität behilflich zu werden. Somit kann Deutschland der Türkei helfen, ihre Haltung zu überdenken. Wenn die Türkei als strategischer Partner betrachtet wird, muss man auch die Kurden als Partner betrachten, weil ein Viertel der Bevölkerung in der Türkei Kurden sind. Wie gesagt, unsere Identität ist unsere Würde.

Haydar Işık     www.haydar-isik.com

 

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