Anerkennung der Kurdischen Identität

Gleiche Pflichten. Gleiche Rechte.

Monday, Dec 10th

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Bärbel Beuermann, MdL: Zur kurdischen Identität

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Solidarische Erklärung Bärbel Beuermanns anlässlich der Kampagne zur Anerkennung der kurdischen Identität in Deutschland

Die Assoziationen, die wir in Deutschland zu Kurdistan und den Kurdinnen und Kurden haben, ist geprägt von dem Konflikt, der die (ursprüngliche) Heimat dieses Volkes überschattet. Wir wissen, dass die Kurden im Südosten der Türkei, im Norden Syriens und des Iraks und im Westen des Irans leben - selten aber erfahren wir, dass viele Kurden inzwischen in alle Teile der Türkei und in die gesamte Welt geflohen sind, um Verfolgung und Unterdrückung der genannten Staaten zu entgehen. Über die konkreten Fluchtgründe, die (sozialen) Ursprünge des Konflikts oder die Lebenssituation vor Ort und in der Diaspora erfahren wir in den hiesigen Medien wenig.

Für die hier lebenden Kurdinnen und Kurden hat diese Unwissenheit oft weitgehende Folgen:
Hier gibt es – jedenfalls aus staatsrechtlicher Perspektive - im Prinzip keine Kurden, sondern lediglich Staatsangehörige der Türkei, Syriens, des Iraks und des Irans. Als eigenständige kulturelle Identität werden die Kurden nicht betrachtet – nicht zuletzt auch, weil ihnen die geschichtliche Entwicklung (bislang) einen eigenen Nationalstaat verwehrte.

Dieser Umstand erschwert ihnen, was für Deutsche und Zugewanderte anderer kultureller Identität selbstverständlich ist: Sie können sich schwer in ihrer Eigenständigkeit und mit ihrer Kultur und Sprache darstellen. Somit ist es ihnen auch schwer, hier zu berichten, welche immensen Probleme der kurdischen Bevölkerung in ihrer Heimat bereitet werden.

Die kurdische Bevölkerung, die Sprachen und die Kulturen, existieren. Allen militärischen und assimilatorischen Bestrebungen in den genannten Staaten zum Trotz. Ihr Kampf um die schiere Existenz ist dabei einen bemerkenswerten Weg gegangen, und persönlich finde ich es ermutigend und motivierend, was für einen außerordentlich fortschrittlichen Freiheitsbegriff, welche Solidarität und welchen Friedenswillen die kurdische Bewegung im demokratischen Diskurs entwickelt hat – und wie diese Werte konkret gelebt werden: Vor Ort in Kurdistan, wie auch weltweit in der Diaspora.

Die Kampagne, die die YEK-KOM ab dem 1. September „Zur Anerkennung der kurdischen Identität“ plant, kann ich somit nur vollen Herzens unterstützen! Wenn die Bundesrepublik und die Bevölkerung in Deutschland sich hier verantwortungsbewusst zeigen, kann das einen Signalcharakter haben – einerseits für einen ehrlicheren Integrationsprozess hier, andererseits aber sehr wohl auch für den gerade wie selten zuvor gefährdeten Friedensprozess in Kurdistan. Eine Grundlage der Demokratie ist die respektvolle Achtung kultureller und anderer, selbstgewählter, wie naturgewollter Identitäten. Aus meiner Sicht haben die mehr als 800.000 in Deutschland lebenden Menschen kurdischer Abstammung ein Recht auf differenzierte, eigenständige (Be-) Achtung.

Bärbel Beuermann, MdL

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